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Reizdarm - mögliche Ursachen

Reizdarm - mögliche Ursachen
Was ist ein Reizdarm? Die Diagnose Reizdarm kommt von Medizinern meist dann, wenn der Patient... mehr

Reizdarm - mögliche Ursachen

Was ist ein Reizdarm?

Die Diagnose Reizdarm kommt von Medizinern meist dann, wenn der Patient eine bestimmte Symptomatik zeigt (Bauchkrämpfe, Blähungen, veränderter Stuhlgang wie Durchfall oder Verstopfung), die aber bei Laboruntersuchungen auf Bakterien, Parasiten, Verletzungen oder Entzündungen keinen auffälligen Befund zeigt. Oft leiden die Betroffenen zusätzlich noch unter Übelkeit, Sodbrennen, Kopfschmerzen, Aufstoßen, schleimigem Stuhl sowie Müdigkeit und Leistungsabfall.
Insgesamt leiden in Deutschland ca. 10 bis 12 Prozent der Bevölkerung an einem leichten bis schweren chronischen Reizdarm-Syndrom (RDS). Dabei sind Frauen fast dreimal häufiger von der Diagnose Reizdarm betroffen als Männer.

Die vorrangige schulmedizinische Herangehensweise ist die, dem Patienten klar zu machen, dass seine Erkrankung harmlos ist und wahrscheinlich von Stress verursacht wird. Das hat leider zur Folge, dass sich viele in die "Psycho-Ecke" abgeschoben fühlen, obwohl es durchaus körperliche Ursachen geben kann, die man behandeln kann. Diese gilt es zunächst auszuschließen.

Mögliche körperliche Ursachen für das Reizdarmsyndrom:

Laktoseintoleranz

15 % der Westeuropäer und sogar 90% der asiatischen Bevölkerung haben eine Laktoseintoleranz, das heißt, sie besitzen nicht das Enzym Laktase, das den Milchzucker Laktose in die zwei Zucker Galaktose und Glukose spaltet. Diese können gut vom Darm resorbiert werden. Ungespalten führt die Laktose im Darm zu einer starken Vergärung, bei der Essigsäure, Methan, Wasserstoff und CO2 entstehen. Dadurch kommt es zu einem stark sauren Milieu und dem zusätzlichen Einströmen von Wasser in den Darm. Folgen sind Koliken, Übelkeit, wässriger Durchfall, starke Blähungen und teilweise auch Sodbrennen und allgemeine Müdigkeit und Abgeschlagenheit.
Diese Symptome treten meist schon kurz nach der Aufnahme laktosehaltiger Speisen oder Getränke auf. Viele Patienten tolerieren eine geringe Menge Laktose und entwickeln erst Symptome nach Aufnahme größerer Mengen.

Glutenunverträglichkeit

Eine sehr häufige und oft unterschätzte Ursache kann auch eine Glutenunverträglichkeit sein. Gluten ist das Kleber-Eiweiß in Getreide (besonders Weizen), und verbessert die Backeigenschaften von Teig (er lässt sich besser ziehen und geht besser). Es wird daher besonders gerne verwendet und oft auch zusätzlich zugeführt (als Trägerstoff von Zusatzstoffen und muss nicht als Extra-Inhaltsstoff deklariert werden).
Eine vollständige Unverträglichkeit äußert sich in einer chronischen Entzündung der Darmschleimhaut mit Zerstörung der Schleimhautzotten und damit verbundenen Malabsorption und wird Zöliakie genannt. Häufiger ist allerdings eine gemäßigte Unverträglichkeit (Sensitivität), die ähnliche Symptome aufweist, bei der die Patienten aber nach einer Zeit der Abstinenz von Gluten durchaus wieder glutenhaltige Speisen zu sich nehmen können.
Beide diagnostiziert man über eine Stuhluntersuchung, bei der auf Anti-Gliadin sIgA und Anti-Transglutaminase sIgA getestet wird.

Fruktoseintoleranz

Fruktose (Fruchtzucker) ist ein einfaches Kohlehydrat, das vom Organismus besser verwertet wird als Glukose (Traubenzucker). Dennoch ist sie nicht unbedingt gesünder. Natürlich kommt sie in süßem Obst und Honig vor, wird aber in den letzten Jahren in großen Mengen verarbeiteten Nahrungsmitteln (oft als Fruktose-Glukose-Sirup) zugesetzt. Da auf Fruktosekonsum kein Insulin ausgeschüttet wird, stellt sich auch nicht das übliche Sättigungsgefühl ein, man isst also mehr als nötig. Außerdem wird Fruktose eher in Fettreserven umgewandelt.
Eine Fruktoseintoleranz bzw. -malabsorption geht meist auf eine Störung des Enzyms GLUT-5 zurück, das für den Transport der Fruktose aus dem Darm in die Enterozyten (Darmwandzellen, die Stoffe aus der Nahrung aufnehmen) zuständig ist. Die Fruktose verbleibt also im Darm und das hat meist eine übermäßige Gärung zur Folge mit Übersäuerung, oft begleitet von Sodbrennen, Übelkeit, wässrigem Durchfall, Blähungen, Bauchkrämpfen, Reizmagen, Schwindel, Müdigkeit, Harndrang und eben Reizdarm.
Der Arzt oder Heilpraktiker kann eine Fruktoseintoleranz mithilfe eines Wasserstoff (H2)-Atemtests feststellen. Dazu trinkt man eine Fruktoselösung und über einen Zeitraum von 2 Stunden wird regelmäßig der Wasserstoffgehalt der Ausatemluft gemessen. Steigt dieser stark an, liegt eine Fruktoseintoleranz vor.
Ein einfacher Selbst-Test ist der Verzehr von 2 reifen Birnen oder 10 reifen Pflaumen auf nüchternen Magen. Wenn dies zu Blähungen und Bauchkrämpfen führt, könnte das an einer Fruktoseintoleranz liegen.
Meist kommen Patienten mit einer Fruktoseintoleranz mit einer Menge bis zu 10 g Fruchtzucker pro Tag gut zurecht und müssen somit also nicht völlig auf Obst verzichten.

Histamin-Intoleranz

Histamine sind Botenstoffe, die eine zentrale Rolle bei der Immunabwehr spielen. Außerdem sind sie beteiligt bei der Regulation der Magensäure-Produktion, der Darmbewegung, des Schlaf-Wach-Rhythmus etc. Sie werden bei einer Entzündungsreaktion des Körpers freigesetzt, aber auch bei einer allergischen Reaktion, wobei es dann zu ähnlichen Symptomen führt, wie Rötungen, Juckreiz, Asthma, Erbrechen, Schwindel, Magen-Darm-Krämpfe oder Kopfschmerzen. Patienten mit Histamin-Intoleranz haben nur eine geringe Konzentration des Histamin-abbauenden Enzyms Diaminooxidase und zeigen die oben genannten Symptome nach dem Genuss von lange gereiften Nahrungsmitteln wie Rotwein, Salami oder Parmesan. Außerdem gibt es sogenannte Histaminliberatoren, die die körpereigene Histaminbildung anregen, wie Tomaten, Bananen, Schokolade, Nüsse, Hülsenfrüchte und Zitrusfrüchte.
Bei einer Histamin-Intoleranz hilft eine Vermeidung dieser Lebensmittel und eine Konzentration auf frisch zubereitete Kost.

Schwäche der Bauchspeicheldrüse (Exokrine Pankreasinsuffizienz)

Die Bauchspeicheldrüse ist unter anderem dafür zuständig bestimmte Enzyme (z.B. Trypsinogen, Pankreaslipase und a-Amylase) für die Verdauung zu produzieren und in den Darm abzugeben. Verschiedene Erkrankungen (Entzündung, Tumor, Alkoholmissbrauch, Diabetes, Gallensteine etc.) können dazu führen, dass sie nicht mehr korrekt arbeitet. Man erkennt die Bauspeicheldrüsenschwäche meist erst im fortgeschrittenen Stadium durch andauernde Übelkeit, Durchfälle, Gewichtsverlust und einen weißlichen entfärbten Stuhl (Fettstuhl). Suchen Sie in diesem Fall unbedingt einen Arzt auf.

Störungen des Galleflusses

Verschiedene Krankheiten können dazu führen, dass entweder nicht ausreichend Galle in der Leber gebildet wird oder dass nicht genügend Gallesaft in den Darm zugeführt wird (Gallensteine, Entzündung der Gallenblase, Fehlbildungen der Gallengänge, Tumore oder bestimmte Medikamente). Im Darm kommt es dann zu einer Störung der Fettverdauung und der Fettresorption. Dann kann es zum sogenannten Fettstuhl kommen (weißlich entfärbter Stuhl), Übelkeit, Appetitlosigkeit, Durchfall, Blähungen und Schmerzen. Da diese Symptome den unterschiedlichsten Krankheiten zugeordnet sind, ist die Diagnose erschwert und die Therappie richtet sich nach der vorliegenden Grunderkrankung.

Entzündungen und Infekte des Magen-Darm-Traktes

7-30% der Reizdarm-Patienten hatte zuvor eine bakterielle Magen-Darm-Entzündung. Bei 25% der Patienten traten die Reizdarm-Symptome erstmals nach einer Antibiotika-Behandlung auf. Durch diese Auslöser kann die schützende Darmschleimhaut durchlässig werden (bis hin zum Leaky Gut Syndrom). Wenn durch die nicht mehr intakte Schutzbarriere Erreger, Schadstoffe und Reste unverdauter Nahrung in die Darmwand bis in den Organismus gelangen, können diese dauerhafte Entzündungen und einen Teufelskreis auslösen.

Mögliche seelische Ursachen für das Reizdarm-Syndrom:

Psychischer und physischer Stress

Sprichwörter wie "das muss ich erst mal verdauen" und "das liegt mir schwer im Magen" deuten darauf hin, dass auch schon der Volksmund um die Bedeutung von Stress auf die Verdauung wusste. Stress spielt tatsächlich eine wichtige Rolle beim Auslösen des Reizdarm-Syndroms, nur leider werden viele Patienten dadurch zu schnell in die "Psycho-Ecke" geschoben, wie die vielen weiteren aufgezählten möglichen Auslöser zeigen.
Allerdings können Stress und vor allem Ärger einen Reizdarm auslösen oder verstärken. Häufig treten auch Depressionen und Reizdarm gemeinsam auf. Wissenschaftler schließen heute auf einen engen Zusammenhang zwischen Gefühlen und dem sogenannten "Bauchhirn".

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Quellen und weiterführende Literatur:

Gräber, René (2013): Diagnose Reizdarm. Die wahren Ursachen und 12 Heilverfahren der Naturheilkunde und Alternativmedizin, die wirklich helfen.

https://reizdarm.de/

Ledochowski, M (2022): Ist es wirklich Reizdarm? Der Diagnose-Wegweiser: die verdeckten Ursachen für Ihre Beschwerden finden. Trias-Verlag

Schweigler, D. (2017): Reizdarm. Verlag Ennsthaler

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